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Förderschule - die Zweite (und Letzte)

Nicht nur, weil wir es heute in dem längsten aller Schule-Eltern-Gespräche so vereinbart haben: Dies ist der zweite und zugleich letzte Eintrag zur Thematik Förderschule / Förderbedarf geistige Entwicklung. 

Ich hatte es schon geschrieben - die Sorge um Henris kognitive Förderung und der scheinbar aussichtslose Kampf für mehr Kulturtechniken in der Schule hat mich so sehr umgetrieben, dass ich froh und vor allem erleichtert bin, dass es nun zu Ende ist. Ich hatte geschrieben, weil ich das Gefühl hatte, in der Schule kein Gehör für meine Fragen und Wünsche zu finden. Von unseren Erfahrungen habe ich berichtet, sowohl mit unserer  Förderschule als auch von Erfahrungen und Erkenntnissen in diesem Bildungssystem, zu dem neben Regel- auch Förderschulen gehören. So hat mich die landesweite Regelung hinsichtlich Zeugnissen für geistig behinderte Kinder - ohne zu übertreiben - in meinem Rechtsempfinden erschüttert. Bis ich mich selbst überzeugt hatte, wollte ich nicht glauben, dass Kinder wie Henri nur Anspruch auf ein Jahres-, nicht aber auf ein Halbjahreszeugnis haben. Auch wenn es in meinem Blog möglicherweise nicht so klar formuliert war: Dass unsere Schule für diese Situation keine Verantwortung trägt, sondern nur geltendes Recht umsetzt, war mir bewusst. Ich kann mir denken, dass Nichtbetroffene es möglicherweise für nebensächlich halten - für mich ist es nur ein offenkundiges Indiz, dass in diesem Bildungssystem (wie in vielen anderen Bereichen, erwähnt sei nur die Situation pflegender Angehöriger) noch längst keine Gleichbehandlung herrscht. Falls jemand einen Hintergrund zu dieser für mich nicht nachvollziehbaren Regelung hat, freue ich mich über einen entsprechenden Kommentar. 

Sehr zeitnah hatten wir heute ein Gespräch in der Schule - dass sich sowohl die Klassenlehrerin als auch eine Vertreterin der Schulleitung dreieinhalb Stunden Zeit genommen haben, mit uns nicht nur über den Blogeintrag, sondern auch über unsere Kritikpunkte zu reden, sehe ich als ein positives Signal. Von unserer Seite ist nun alles gesagt - ich hatte mir für den letzten Blogeintrag viel Zeit gelassen und habe den Eindruck, alles, was uns wichtig ist, formuliert zu haben. Für das heutige Gespräch hatte ich nochmals wichtige Punkte zusammengefasst und dankenswerterweise die Gelegenheit, sie alle anzusprechen. Meinem Eindruck nach gilt das auch für die Lehrerin, die ebenfalls ausführlich die ihr wichtigen Grundsätze, ihre Didaktik und auch ihre Kritikpunkte erläuterte. In dem wohl längsten Schule-Eltern-Gespräch aller Zeiten haben wir (oft gegensätzliche) Standpunkte erörtert, um gegenseitiges Verständnis gerungen und auch Missverständnisse ausräumen können. Am Ende war dann - so habe ich es empfunden - alles gesagt und man wird sehen, wie es weitergeht. Auch wenn es anstrengend und - für beide Seiten - immer wieder schmerzhaft war, finde ich es doch gut, dass am Ende jeder die Gelegenheit gehabt hatte, seine Positionen darzulegen und zu vertreten. Uns ist bewusst, dass viele unserer Wünsche Wünsche bleiben werden. Dass wir es geschafft haben, am Ende in versöhnlicher Stimmung und mit der Aussicht auf eine Fortsetzung des Dialogs auseinanderzugehen, stimmt mich zuversichtlich. 

 

Eines noch, weil ich sowohl im Blog als auch heute im Gespräch gefragt wurde, warum wir für Henri keine Alternative zu dieser Schule sehen. Ich hatte es sowohl im Blog als auch in einer Antwort auf einen Kommentar geschrieben. Henri geht - abgesehen vom frühen Aufstehen ;-) - sehr gerne in diese Schule! Er mag seine Lehrerinnen und die Klassenkameraden. Er ist dort gut integriert und hat - im Gegensatz zu inklusiven Schulen - keine Einzelstellung. Er gehört dazu und ist auf dem Pausenhof nicht mehr alleine. 

Kurz: So wichtig uns Kulturtechniken sind - Henris Wohl steht an erster Stelle. Es würde mir das Herz brechen, eine Entscheidung zur treffen, von der ich wüsste, dass sie für Henri vor allem Schmerz und Trauer um das, was er aufgeben musste, bedeuten würde. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Oma (Samstag, 15 Februar 2020 00:18)

    Liebe Doris und Dirk,

    ich wünsche euch und bin zuversichtlich, dass alles gut wird.
    Ich bin immer bei euch.

    Liebe Grüße!

  • #2

    Andrea (Samstag, 15 Februar 2020 08:59)

    Ich wünsche Euch, dass alles gut wird. Ich bleibe aber auch auf meinem Standpunkt, den ich im Kommentar zum ersten Blog geäußert habe. Wenn ein Kind nicht gefördert wird, passt für mich das Wort „Förderschule“ schon nicht. Sonderschule trifft es eher. Alles liebe für Euch!