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Schritt – Atemzug – Besenstrich

„Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten... Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“

 

("Beppo der Straßenkehrer" aus "Momo" von Michael Ende)

 

 

Als wir heute Morgen auf Station kamen, war der ZVK, über den sich Henri seit Tagen beschwerte, nicht mehr da. Es war jedoch nicht die Nachtschwester, sondern Henri selbst, der an den am Hals sitzenden Zentralen Venenkatheter Hand angelegt hatte. Nicht einmal eine Schere hat er für das Lösen der beiden kleinen Befestigungsstiche gebraucht. Da die Infusionen an diesem Tag eh ausgelaufen wären, war es nicht weiter schlimm: Henri war einfach schneller als die Schwestern ;-).

Nach dem Frühstück kam wie immer die Physiotherapeutin zur Mobilisierung. Alles ging deutlich schneller und war weniger schmerzhaft als am Vortag. 

Wie jeden Morgen kam auch das Schmerzteam vorbei, um die Schmerzpumpe zu prüfen und Wirkstoff nachzufüllen. Sie waren noch im Zimmer, als das Kardiologenteam klopfte, um den Herzschrittmacher zu  prüfen und die Frequenz auf das Niveau von vor OP anzupassen. Wie bisher stimuliert der Schrittmacher nun wieder, wenn Henris Eigenfrequenz unter 35 Schläge/Minute fällt. Um diese Zeit waren etwa zehn Menschen um Henris Bett versammelt - die vielen blauen Kittel hätten mich wohl besorgt, wenn ich nicht gewusst hätte, dass es Henri gut geht.

Er war nur ein bisschen blass, was mit dem Abfall des HB-Wertes auf 8,5 zu tun hatte. Weil er unmittelbar nach OP noch bei 12 gelegen hatte, habe ich (wie fast immer) direkt nachgefragt und vom Arzt erfahren, dass es durchaus üblich ist, dass der Wert erst ein paar Tage nach OP fällt und sich dann wieder erholt. Kein Anlass zur Sorge also und auch kein Grund, die vor OP bereitgestellten Blutkonserven zu nutzen.

Nachdem der ZVK nun schon einmal raus war, hatte Henri den Tag über drei vorrangige Themen: Blasenkatheter und Drainage bzw. deren Entfernung sowie Wechsel zur Normalstation. 

Grund für den Verbleib des Blasenkatheters war nicht die Kontrolle der Flüssigkeitsmenge oder gar Bequemlichkeit, sondern dass es sein kann, dass die Patienten aufgrund des PDK (Periduralkatheter) nicht Wasser lassen können und der Urin sich womöglich in der Blase staut. Als Henri am Nachmittag dann anfing, zu jammern und sein au – au! immer eindringlicher wurde, hat die Schwester ihm den großen Gefallen getan, den Katheter zu ziehen. Erfreulicherweise konnte Henri Wasser lassen und wir waren alle erleichtert, dass er nun wieder eine Pein weniger hatte. Es blieben also nur noch die Drainage und die Normalstation. 

Für Henri war es ein anstrengender Tag heute, wenn auch deutlich weniger schmerzhaft als gestern. Immer gab es irgendetwas an oder für Henri zu tun. Er isst übrigens prima und lässt sich je nach Stimmung von Papa oder Mama füttern. Auch wenn es um das Streichen der Brote geht, hat er freie Wahl, wer dies für ihn tun soll.

Den ganzen Tag über hat sich Henri (mit Unterstützung) mehrmals aus dem Bett zum Toilettenstuhl bewegt. Hin und her ging das und beim letzten Mal fing er plötzlich laut zu weinen an, weil ihm – wie er sagte - der Drainageschlauch so weg tue. Auch wenn er furchtbar gelitten hat, kam dieses Mal der Schlauch nicht raus – das Ziehen ist für morgen im Rahmen eines weiteren Verbandswechsels geplant. Dafür bekam Henri eine extra Schmerzmittelgabe, die nach einer Weile auch anfing zu wirken und ihn deutlich entspannte. 

Wie schon am Tag vor OP durfte ich Henri auch heute in den Schlaf streicheln und es hat nicht lange gedauert bis er eingeschlafen ist und wir ihn der liebevollen Nachtschwester anvertraut haben. 

Die Schwestern und Ärzte hier in Lübeck sind ganz außergewöhnlich nett, aufmerksam und zuvorkommend. Kein einziges Mal hatte ich das Gefühl, jemanden zu nerven - ganz im Gegenteil: Ganz gleich, wie lange sie mit Henri beschäftigt sind, fragen sie am Ende dennoch, ob sie denn noch etwas für uns tun können. Das Intensivteam hat – wenn nicht schon geschehen – eine Auszeichnung verdient. Ganz große klasse und im wörtlichen Sinne vorbildlich ist es, was diese Menschen leisten! 

 

18. Januar 2019

Weiße Überraschung am Morgen

 

18. Januar 2019

Henri mittendrin - immer gibt es etwas für ihn oder an ihm zu tun.

 

18. Januar 2019

Henri geht es mittlerweile so gut, dass er wieder Pippi Langstrumpf schauen kann. Die bedienerfreundliche Vorrichtung hat Dirk sich ausgedacht ;-).

 

18. Januar 2019 - Amelies Ersatzfamilie

Dies ist ein Screenshot eines Videos voller  Genesungswünsche - darin sprechen sie Henri so lebendig und liebevoll an, dass einem ganz warm ums Herz wird. Und nach jedem Wunsch nickt und lächelt Henri. Eine richtig tolle Idee war das, liebe Christine, Wolfgang, Marielle, Amelie und Jakob. Mit diesem Start in den Tag habt ihr Henri und uns eine große Freude gemacht. Danke!

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Kommentare: 1
  • #1

    Steffi (Samstag, 19 Januar 2019 17:43)

    Prima, dass die Operation so gut verlaufen ist und es ihm jeden Tag
    ein bißchen besser geht.
    Gute Besserung weiterhin, Henri :)