Alles gutgegangen

Der Eingriff heute vor einer Woche verlief vollkommen problemlos - auch bei der Narkose habe es keinerlei Auffälligkeiten oder gar Schwierigkeiten gegeben, hat mir das Op-Team berichtet... alles gut.

Im Nachhinein habe ich natürlich bedauert, mich (wieder einmal) links gemacht zu haben. Sie machen sich links hat mir vor vielen Jahren mal eine Ärztin von der Intensivstation vorgeworfen.  Vor knapp 13 Jahren stand ich nach Henris erster großer Herz-OP neben dem Babybett und hätte mir nichts mehr gewünscht, als dass mir jemand Zuversicht vermittelt. Sie machen sich total links war irgendwie nicht hilfreich. 

In dieser Zeit gab es einen Arzt, der mir und Henri viel Gutes getan hat ... und sich gar nicht bewusst war. Meinen tiefen Dank nahm er damals gerne an, meinte aber, das sei doch ganz selbstverständlich - einen anderen Umgang mit Patienten und ihren Eltern könne er sich gar nicht vorstellen er könne sich gar nicht vorstellen, anderes mit Patienten umzugehen. Als ich letzten Donnerstag, am Tag vor der Zirkumzision (für die, die nicht googeln mögen: zu Deutsch Beschneidung), mit Henri am Brunnen saß und mir meine Gedanken machte, kam er mir entgegen. Was für eine Freude und Dankbarkeit, ihn genau in dieser Situation wiederzusehen. Er fragte nur (scherzhaft), ob wir die Religion gewechselt hätten und schien sich keinerlei Zweifel zu haben, dass alles gut geht. Er war der richtige Mensch am passenden Ort: Nicht nur letzte Woche am Brunnen vor der Zirkumzision, sondern auch viele Jahre zuvor bei unseren Aufenthalten auf der Intensivstation. 

 

Freitag, 24. März 2017, 10.00 Uhr

Jetzt geht's los. Der Krankenwagen ist da und fährt uns von der Kinderklinik in die Urologie. Henri ist gefasst und zeigt wieder einmal sein großes Vertrauen. Immer wieder muss ich ihm über den gesamten Ablauf berichten, wobei es ihm am allerwichtigsten ist, dass der Zugang, den er sich am Tag zuvor ohne Schreien hat legen lassen (vom großen Meister persönlich ;-) nach der Operation bald wegkommt. Ich bereite ihn vor, dass es nach der Operation wahrscheinlich ein bisschen weh tun wird, dass dafür aber der Zugang weg ist. Vor dem OP angekommen, müssen wir noch über eine halbe Stunden warten - das Personal um uns herum wirkt wohltuend unaufgeregt und trotzdem ist dieser Moment an der Schleuse nicht weniger intensiv als bei den Herz-Ops.

 

24. März 2017 - 15.00 Uhr : hungrig (und erleichtert!) zurück auf Station

 

Das Durchgangssyndrom hat er noch im OP hinter sich gelassen und auf Station angekommen, ist Henri fast der Alte. Erst einmal fordert  er, dass ich den Mond über seinem Bett fotografiere. Danach gestattet er mir auch ein Foto von sich. Zu dem rechten Bild wollte ich eigentlich schreiben, dass sich in Henris Blick meine Erleichterung spiegelt, aber das wäre verkürzt. Als wir kurz nach der Ankunft in seinem Zimmer so nebeneinander lagen (er in seinem Bett und ich in einem Komfortsessel) schaute er mich auf einmal an und sagte Glück gehabt, Mama .... ich nicht sterben ... Glück gehabt .... Ihr könnt euch denken, dass ich mit Henri nicht über  Sterben und  auch nicht über die Risiken einer solchen OP gesprochen hatte. Ich war so erstaunt, dass ich erst einmal gar nichts sagen konnte. Als ich ihn dann fragte, ob er denn gedacht hatte, er müsse bei der Operation sterben, lachte er nur, nahm mich ganz fest in den Arm und sagte Nein, Mama,  nur Spaß macht, Mama, nur Spaß ...

 

24. März 2017: Entlassung sieben Stunden nach OP

Damit hatten wir nun gar nicht gerechnet. Wir waren davon ausgegangen, dass Henri nach OP noch eine Nacht stationär überwacht wird. Umso größer ist die Freude, als es heißt, wir dürften heim :-)  Und wie nach jeder anderen Operation scheint wieder eine neue Zeit anzufangen, weil sie einem vor Augen geführt hat, was wirklich wichtig ist. Wir fahren in den Gartenmarkt, wo wir Henri endlich seinen großen Wunsch nach einem kleinen "Baum" für sein kleines Gärtchen erfüllen. In der Cafeteria gibt es dann noch einen Kakao für den tapferen Jungen, dem nicht anzumerken ist, dass er noch vor wenigen Stunden auf dem OP-Tisch gelegen hat.. 

Noch ein Wort zu den Schmerzen: Ich hätte wohl vorher nicht so viel  nicht googeln sollen: Nach all den Erfahrungsberichten war ich auf große Schmerzen eingestellt und hatte Henri auch entsprechend vorbereitet. Henri hat sich an den ersten beiden Tagen  vielleicht zweimal kurz beklagt, ließ sich aber ganz schnell ablenken. Daher waren die von mir fest eingeplanten Schmerzmittel waren kein Thema. Den Verband habe ich ihm schon am nächsten Tag unter der Dusche vorsichtig abgewickelt. Alles gut. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Ralf Bloemers (Freitag, 18 August 2017 11:36)

    Ich habe vor 4Wochen auch ein Schrittmacher gekriegt,jetzt sind wir Kumpels.
    Alles Gute kleiner Kämpfer.

Neues aus dem BLOG: