Henri beim Kieferotto

Norderney, 28.02.2016: Wieder ein Nachtrag/ Rückblick in den Januar:

Dieser Tag, vielmehr Henris Beißerqualitäten, haben einen eigenen Post verdient.

Als Henri noch ein Kleinkind war, habe ich immer wieder gelesen, dass Kinder mit Down-Syndrom für zahnärztliche Behandlung oft eine Vollnarkose brauchen - üblich sei es, immer gleich mehrere Zähne zusammen zu behandeln. Unserem ersten Zahnarztbesuch sah ich daher mit Zweifeln entgegen - womöglich macht Henri nicht einmal den Mund auf? Der ruhigen Art unseres Zahnarztes haben wir es zu verdanken, dass bisher alle notwendigen Behandlungen ohne größere Schwierigkeiten durchgeführt werden konnten. Bohren war zwar (noch) nicht dabei (Henri ist dem kariesfreien Vorbild seiner großen Geschwister gefolgt ;-) , aber das Stillhalten beim Versiegeln und das Aushalten einer Spritze vorm Zahnziehen sowie auch das Zahnziehen selbst sind ja auch nicht ohne. Die ersten Male waren Dirk und ich zu zweit mit im Behandlungszimmer und immer wieder haben wir es geschafft, das Ruder herumzureißen, wenn es kritisch zu werden drohte. Heute genügt in der Regel eine Begleitperson. Auch wenn alles ein wenig länger als bei unseren anderen Kindern dauert - das Thema "Vollnarkose" ist aus der Welt, zumindest was Zahnbehandlung betrifft.

Die nächste Herausforderung war dann der Kieferorthopäde - unsere großen Kinder nennen ihn von jeher "Kieferotto", wobei ich mich frage, ob die beiden diese Kurzform erfunden haben oder ob sie unter Jugendlichen üblich ist? Ich erinnere mich an unseren ersten Besuch dort, an meine Anspannung und die Befürchtung, dass wir vermutlich schon beim Röntgen (die Kinder müssen dabei - allein in einem Zimmer - ca. 30 Sekunden ganz ruhig halten), spätestens aber beim Erstellen des Abdrucks (was bei unseren Großen regelmäßig Würgereiz auslöste) aussteigen müssten... tut uns leid, aber wenn das Kind nicht mitmacht, können wir nix machen ... so hatte ich es mir vorgestellt. Das Abdrucknehmen war tatsächlich eine große Herausforderung, aber nachdem Henri sie bestanden hatte, habe ich neuen Mut für den eigentlichen Behandlungsbeginn ein paar Wochen später gefasst. Den Kieferorthopäden kannten wir schon von Elias' Behandlung als außerordentlich ruhigen und freundlichen Arzt und ich sagte mir, wenn einer es schafft, Henri eine feste Spange zu verpassen, dann er :-)

Und so war es: Es ist unglaublich, mit wie viel Geduld er Henri seit zwei Jahren behandelt, Brackets aufklebt und Drähte daran befestigt. Manchmal sagt Henri zählen!!! und während wir bei anderen Ärzten je nach Behandlung bis drei, fünf oder zehn zählen, übernimmt Henris Kieferorthopäde das selbst. Wenn es eine Auszeichnung für einen Kieferorthopäden mit Fachgebiet Kinder mit geistiger Behinderung gäbe - Dr. Haßdenteufel hätte sie verdient! Nach einer Pause haben wir im Januar mit dem zweiten Zyklus begonnen und wieder sind wir begeistert über das perfekte Zusammenspiel. 

Ich habe großen Respekt vor unserem tapferen Sohn, der sich immer wieder überzeugen lässt, den Mund offen zu halten bzw. wieder aufzumachen, auch wenn es richtig unangenehm ist. Henri macht das einfach toll - und das hängt ganz sicher nicht damit zusammen, dass Behinderte weniger Schmerzempfinden haben ... ich höre das immer mal wieder und frage mich jedes Mal, ob es wohl irgendeine Quelle für diese Hypothese gibt. Ich vermute, sie gehört in die gleiche Kategorie wie die Aussage die Behinderten haben viel Kraft... wie oft bin ich ihr schon begegnet und habe mich immer zurückgehalten ... Warum bitte sollte ein Behinderter mehr Kraft haben?!?

Links das letzte Foto ohne Zahnspange - die neue soll bis Sommer nächsten Jahres drinbleiben. Rechts oben sieht man Henri bei seiner Lieblingswartebeschäftigung: Er googelt Mond in Verbindung mit Sterne und Aufkleber und schaut sich dann die Bilder an - er ist immer auf der Suche nach neuen Leuchtaufklebern :-) 

 

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