Alles in Ordnung

Alles in Ordnung mit dem Herzen ... Um das gute Ende vorwegzunehmen, fange ich mit der abschließenden Feststellung des Professors in der Kinderkardiologie an.

Schon nach dem Aufstehen war Henri heute nicht wie sonst. Er wollte nicht duschen, sich nicht anziehen, legte sich anstatt zu frühstücken auf den Boden und antwortete auf Ansprache noch weniger als an anderen Böckchen-Tagen. Eine besonders starke Ausprägung der in letzter Zeit sehr vertrauten Rebellion war das und kein guter Start in den Tag. Als er dann aber vor Schulbeginn seinem Lehrer netter und freundlicher als je zuvor die Hand reichte (vielleicht kam es mir auch so vor, weil er zu Hause so abweisend war), hoffte ich auf eine Wende seiner Stimmung und verließ die Schule mit einem eher ruhigen Gefühl. Zwei Stunden später meldete sich jedoch unsere I-Helferin Angela (dank Henri@waldorfshool-WhatsApp-Gruppe immer im Verbindung) und berichtete, dass Henri einerseits sehr unruhig sei, andererseits aber auch abwesend und nicht kooperativ (sachlich ausgedrückt ;-). Kurze Zeit später bekam ich dann Nachricht, dass er zwischenzeitlich sehr weiß im Gesicht gewesen war und über Kältegefühl und Bauchweh klagte. Weil der Juni erfahrungsgemäß der bevorzugte Monat für Synkopen und notfallmäßige Arzbesuche ist, habe ich mich umgehend auf den Weg gemacht, um Henri abzuholen. Er hatte schon wieder Farbe im Gesicht und lächelte mich zaghaft an - vermutlich spielte in seinem Blick auch das schlechte Gewissen für den morgendlichen Auftritt mit. Als ich ihn so sitzen sah, eingewickelt in eine Wolldecke, etwas blass und mit unsicherem Blick, setzte wieder einmal unwillkürlich das Kopfkino ein. Aber ganz unabhängig davon, was solche Momente bei mir auslösen, braucht Henri ganz zweifellos mehr Hülle und Achtsamkeit als andere Kinder.

Zwei Stunden später durften wir zur Untersuchung in die Kinderkardiologie kommen - die Zwischenzeit hat Henri für ein erholsames Schläfchen genutzt. Vorher ließ er sich den Hasi  und die Wärmflasche bringen, trank ungewöhnlich viel Tee mit etwas Saft  und lag  ruhig wie ein Lämmlein in meinem Bett, ganz Patient. Als ich ihn weckte, sagte er fast fröhlich Mama, gesund, kein Kalt, kein Kopfweh mehr... In der Klinik angekommen, wurde wie immer erst einmal ein EKG geschrieben - ich weiß nicht, wie oft er schon auf dieser Liege lag, die ihr oben rechts auf dem Foto seht...  Schon während des anschließenden Herzechos meinte Prof. Abdul-Khaliq, dass mit dem Herzen alles in Ordnung sei... alles gut... ! Er prüfte dann auch noch den Herzschrittmacher und auch da gab es keine Auffälligkeiten. Kurz vor dem Abschluss der Untersuchungen kam noch der große (und beste) Bruder dazu. Elias hatte sich direkt nach Schulschluss mit Zug und Bus auf den Weg in die Klinik gemacht, um bei seinem Bruder zu sein. 

Zum Abschied gab noch eine gute Nachricht:  Prof. Abdul-Khalid meinte am Ende der Untersuchung, dass man die nächste Klappe wahrscheinlich mittels Katheter einsetzen könne (sog. Melodyklappe - bislang war Henri immer noch zu klein dafür ) und man ihm zum ersten Mal eine Öffnung des Brustkorbs ersparen kann. 

 

 

13. Juni 2016 - Untersuchung in der Kinderkardiologie

Beim EKG, der einleitenden Untersuchung, spiegelt sich Mamas Sorge wohl auch in Henris Gesicht. Während des Herzechos lässt die Spannung  dann nach... Alles in Ordnung. Unten rechts hält Henri das Gerät zur Prüfung des Schrittmachers, während Prof. Abdul-Khaliq die Funktionen am PC überprüft. Auch alles in Ordnung! Die Erleichterung steht in diesem Moment der ganzen Familie ins Gesicht geschrieben.  

13. Juni 2016

Nach einer ausgiebigen Runde Fahnenstehen lesen, schreiben und sprechen wir alltagstaugliche Dialoge in Willkommen in Deutschland. 

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