Gute Nachrichten aus der Schule

Dieses ist nun der zweite Teil der Trilogie gute Nachrichten. Den dritten, den man auch schöne Neuigkeiten nennen könnte, werde ich aus dem Schwarzwald schreiben.

Es ist fast genau ein Jahr her: Henri hatte  - wie dieses Jahr - Mitte Dezember einen Kontrolltermin in der Kinderkardiologie. Es ergab sich, dass er davor noch am Adventssingen in der Waldorfschule teilnehmen konnte. Und wie er  - der ehemalige Kindergarten-Waldi - so stand zwischen all den Kindern und sich ganz der adventlichen Stimmung hingab, bekam ich diesen Impuls, der mir Jahre, Monate, ja selbst Tage davor, noch völlig abwegig vorgekommen wäre.

Henris (bereits um ein Jahr verlängerte) Grundschulzeit in der Montessorischule näherte sich dem Ende und es war völlig ungewiss, wohin sein weiterer schulischer Weg ihn führen könnte: Es gab viele Optionen, aber bei keiner hatten wir ein gutes Bauchgefühl. Ganz unter dem Eindruck des Adventssingens schrieb ich noch am gleichen Tag einen Brief an Amelies Klassenlehrer ... Ich wollte es zumindest versucht haben... Herrn K. Bereitschaft, Henri in seine Klasse aufzunehmen,  haben wir es verdanken, dass unser Anliegen auch an der Schule Thema wurde. Letztendlich stieß meine Mutoffensive auf fruchtbaren Boden und wenige Monate später erhielten wir die gute Nachricht, dass Henri ab September die fünfte Klasse der Freien Waldorfschule besuchen darf - als erstes und bisher einziges Kind mit geistiger Behinderung. Er hat dort, wie auch schon in der Montessotri-Grundschule- eine Integrationshelferin, die ihn den ganzen Tag begleitet und unsere erste Verbindung zur Schule ist. 

In meinem heutigen Bericht möchte ich euch vor allem von Henris Entwicklung im seelisch-sozialen Bereich erzählen. Nie habe ich ihn ausgeglichener erlebt als in den letzten Wochen. Dieses Strahlen, von dem ich schon berichtet habe, rührt mich jeden Tag aufs Neue an und noch fand keine Gewöhnung statt ;-) 

Henri fühlt sich sehr wohl inmitten der (nicht geistig behinderten) Kinder. Wie schon an der Montessorischule überwiegen ganz offensichtlich die positiven Erfahrungen und erstaunlicherweise wenden sich ihm vor allem die Jungs zu, die man als Außenstehender eher der "weniger feinfühligen Art" zuordnen würde. Henri gelingt es wohl, in diesen Jungen Töne zum Klingen zu bringen, die man sonst allenfalls erahnen kann. Seine engsten Vertrauten sind jedoch die Mädchen - da gibt es eine kleine Gruppe um ihn, die immer zur Stelle ist und ihm offenbar selbst unausgesprochene Wünsche von den Augen abliest. Elias, unser Zwölftklässler, schreibt gerade seine Jahresarbeit zum Thema gesellschaftliche Stellung vom Menschen mit Down-Syndrom und hat in diesem Rahmen Henris und Amelies Klasse besucht. Im Turnunterricht hat er für die Präsentation der Arbeit nicht nur gefilmt und fotografiert, sondern auch aufmerksam beobachtet. Fast ungläubig berichtete er, wie er Henri und das soziale Miteinander erlebt hat. Seine Eindrücke entsprechen dem, was ich Tag für Tag vor und nach der Schule, in der Schulküche und auf dem Pausenhof wahrnehme. Wie offen und fröhlich er von den anderen begrüßt wird, wie aufmerksam sie ihm zuhören, wenn er sich bemüht, etwas so aufzudrücken, dass die anderen ihn verstehen ... und: Wie viel Freude die Kinder miteinander haben! Besser hätte es nicht kommen können ... und wieder einmal sind wir dankbar. Für Henri und für alles, was ihm und uns geschenkt wird. 

27. November 2015

Auftritt des Schulchores Rundadinella bei der Herzenssachedie live aus Saarbrücken gesendet wurde.

Das verlinkte Video stammt von dem Verein Zweite Chance e.V., während dessen Auftritt sich unsere Rundadinella-Chorkinder schon einmal warm gemacht haben ... auch Henri ist mit seinem typischen Freestyle zu sehen;-)

16.Dezember 2015

Letzter Turnunterricht vor den Weihnachtsferien - Wunschturnen nennen die Kinder die Stunde, in der sie sich aussuchen dürfen, wo sie sich bewegen.

Besonders begehrt ist beim Wunschturnen das Trampolin ... Und wenn Henris Zeit abgelaufen ist, muss auch er sich fügen... der Protest im Sinne von"unfair!"  steht ihm im Gesicht geschrieben.

- Nikolaus (der echte!) auf dem Schlitten - 

Henris Bewunderung für den Nikolaus ist jedem jeder seiner Weggefährten bekannt - auch, dass er diese nicht nur in der Vorweihnachtszeit lebt. Schon seit Wochen berichtete er jeden Tag nach der Schule freudestrahlend: Schlitten bald fertig!  

Wie gespannt waren wir alle, von welchem Schlitten er wohl mit so großer Begeisterung spricht... Oben seht ihr ihn. Er steht gerade nur ausnahmsweise in der Krippe und ist im Förderunterricht entstanden. 

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