Schulwechsel

Zum letzten Mal: Auf dem Weg vom Auto an die Montessorischule trägt Henri auch die Fahne, die ihm seine Klassenlehrerin am Vortag geschenkt hat. Nicht zufällig ist es die niedersächsische: Zu Henris großer Freude ist ein weißes Pferd ist darauf ... :-)
Zum letzten Mal: Auf dem Weg vom Auto an die Montessorischule trägt Henri auch die Fahne, die ihm seine Klassenlehrerin am Vortag geschenkt hat. Nicht zufällig ist es die niedersächsische: Zu Henris großer Freude ist ein weißes Pferd ist darauf ... :-)

Letzten Freitag war es soweit - Henri hatte seinen letzten Schultag an der Montessorischule. Der Abschied fiel - wie schon erwartet - schwer... Nicht nur uns Eltern, sondern auch Ellen, seiner Integrationshelferin, die ihn die letzten Jahre mit viel Engagement begleitet hatte. Nur bei Henri war kein Tränchen zu sehen ...  Zwar wirkte er an seinem letzten Schultag etwas ruhiger und ernster als sonst - aber das war wohl eher der emotional bewegten Umgebung geschuldet. Aber wer weiß? 

Diese drei Jahre Montessorischule waren für Henri ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu immer mehr Selbständigkeit. Seine Klassenlehrerin hatte ihm von Anfang an viel zugetraut - und hatte mit ihrem Optimismus offenbar eine realistischere Einschätzung als ich. Zwar habe ich von Anfang an auch zu Hause regelmäßig mit Henri geübt - dennoch war ich mir nicht sicher, ob er davon auch wirklich profitiert. Ich erinnere mich, wie ich in der ersten Klasse Tag für Tag Buchstaben mit ihm "gemalt" habe. Dass dieses Kind einmal selbständig schreiben würde, konnte ich mir kaum vorstellen. Immer wieder habe ich mich gefragt, ob es nicht vielleicht besser für Henri wäre, ihn einfach puzzeln oder mit der Fahne in den Garten gehen zu lassen. Andererseits wollte ich ihm doch zumindest die Chance geben, Grundkenntnisse in den Kulturtechniken zu bekommen, auch wenn der Weg dahin dahin für uns beide mit viel Mühe und manchmal auch Überwindung verbunden ist. Mittlerweile ist offensichtlich, dass unser Weg richtig war und ist: Immer noch sind die kleinen Texte, die er liest, sehr einfach und und geben meist konkret Alltagssituationen wieder. Immer noch schreibt er viele Wörter lautgetreu und manchmal muss man seine kleinen Briefe auch mehrmals (am besten laut) lesen, bis sich einem der Sinn erschließt. Aber: Er liest und schreibt heute besser als vor einem halben Jahr und viel besser als vor zwei Jahren. Und: Er hat richtig Freude daran, kleine Briefe und Karten oder auch den Einkaufszettel zu schreiben... so wie seine Eltern und Geschwister, so wie andere Kinder seines Alters. Diese Stück Normalität und Autonomie, das Henri durch regelmäßiges Üben in der Schule und zu Hause erarbeitet hat, schenkt ihm Selbstvertrauen - umso mehr, je älter er wird. Ich bin zuversichtlich, dass das Prinzip   - Schritt - Atemzug - Besenstrich - sich auch weiterhin bewähren wird. 

 

Freitags hatte Henri seinen letzten Grundschultag -  gleich am Samstag fand bei uns zu Hause Amelies "Geburtstagszelten" statt. Ihre Gäste waren Mädchen aus ihrer Klasse - Henris zukünftiger Klasse. Sie alle kennen ihn schon lange, viele schon seit der Kindergartenzeit. Der Kontakt zur Waldorfschule war für Henri nie ganz abgerissen: Er war oft dabei, als ich Amelie abholte und saß bei fast jeder Monatsfeier mit viel Begeisterung in der ersten Zuschauerreihe. Seit über einem Jahr singt er auch im Rundadinella-Schulchor mit - als er letztes Jahr als einziges "externes Kind" aufgenommen wurde, ahnten wir nicht, dass es für ihn einmal möglich sein würde, Schüler dieser ("ganz normalen", bis dahin nicht inklusiven)  Schule zu werden.

Dieses Geburtstagswochenende war für ihn wohl der bestmögliche Übergang auf dem Weg in seine zukünftige Schule. Ich war soo erleichtert, zu sehen, wie schnell Henri seinen Platz in dieser Mädchenrunde gefunden hatte. Es hat mich immer wieder angerührt, zu erleben, wie selbstverständlich und natürlich sie mit ihm umgegangen sind... und vor allem, das Strahlen in Henris Augen zu sehen. Es ging ihm richtig gut in dieser Gemeinschaft und ich wünsche ihm sehr, dass er diese Stimmung auch bei seinem ersten ersten Schultag und den vielen folgenden erleben darf. 

Eine gute Nachricht darf an dieser Stelle nicht fehlen: Henri hat nun auch eine Integrationshelferin: Wenige Tage, nachdem die junge Frau Henri und uns zu Hause besucht hatte, hat sie bei der Montessori- und auch bei der Waldorfschule hospitiert und freut sich nun auf ihre neue Aufgabe. Es sieht so aus, als habe sie Henri schon ins Herz geschlossen :-)

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