Einmal rauskommen und richtig viel Zeit für Henri haben ... 

... diese Möglichkeit bietet sich mir heute - wenn auch unter ungeplanten Umständen. 

Wir sind (wieder einmal) in der Klinik. Beim Frühstück war Henri nicht nur blass und wortlos - er schob sogar den Teller mit seinen geliebten Quarkbrötchen von sich und legte den Kopf auf den Tisch. Ich weiß nicht, wann Henri je einmal nicht frühstücken wollte und war daher schon besorgt. Weder gute Worte noch die Ankündigung, dass wir ihn in diesem Zustand vielleicht in der Klinik vorstellen müssen, konnte ihn zu einer Äußerung bewegen. Apathisch und regungslos schaute er zu Boden und ließ geschehen, dass ich ihn ins Auto setzte. Wie immer sind wir erst zu Amelies Schule gefahren. Meine Hoffnung, dass die veränderte Umgebung vielleicht noch etwas bewegen könnte, erfüllte sich nicht :-( Als ich ihm sagte, dass ich nun mit ihm in die Klinik fahre, damit er dort untersucht werden kann, äußerte er sich erstmals wieder, wenn auch äußerst knapp: Kein Notarztwagen. Keine Infusionsstange. 

Nach Ankunft wurde erst einmal ein EKG geschrieben - Henris teilnahmsloser Zustand war zunächst kaum verändert. Nach dem EKG kehrte dann plötzlich Farbe in sein Gesicht zurück, er lächelte und sagte "aufgewacht". (Liebe Kirsten, wenn du hier noch mitlesen solltest ... das war so wie früher, wenn in der Küche die Kuckucksuhr geschlagen hat ;-) Die nächsten Minuten ist er dann immer mehr "aufgewacht"und als wir auf Station ankamen, war Henri fast wieder so, wie wir ihn kennen ... zunächst einmal ... denn die Blutentnahme mit Legen eines Zugangs waren echte Schwerstarbeit ... für den Arzt ... für die, die ihn festgehalten haben (gutes Zureden hilft seit der letzten Herz-OP nicht mehr) ... vor allem aber auch für Henri selbst, der so unglaublich laut und ausdauernd geschrien hat, dass er am Ende richtig nass war - so nass, dass es schwierig war, das Pflaster zu befestigen. Es war schlimm.

Dr. P. fragte ihn nur wenige Minuten später, ob sie trotzdem Freunde bleiben könnten und Henri willigte ein :-) Von da an ging es aufwärts: Nachdem er das EKG und die Blutentnahme geschafft hatte, zeigte er sich beim EEG sehr kooperativ ... 15 Minuten stille liegen - Henri war klasse. Der Junge ist wirklich ein Vorbild an innerer Stärke und Durchhaltevermögen ... es sei denn, es geht um Blutentnahmen oder Spritzen. Während er sich früher durch immer wieder wiederholte Kinderlieder ablenken ließ, ist er seit der letzten Herz-OP regelrecht traumatisiert. Die ihn schon länger kennen, wissen ja von der echten Infusionsstange, die bei uns mehrmals wöchentlich z.B. für den Hasi zum Einsatz kommt.

Bisher waren alle Ergebnisse unauffällig und auch der Schrittmacher tut offenbar genau das, was er soll, nämlich bei einem Pulsabfall auf unter 35 Schläge/Minute einen Impuls setzen. Morgen steht noch ein Herzecho an und wenn auch dieses keine neuen Erkenntnisse zu Tage bringt, lag diese Apathie wohl einerseits an der großen Hitze, aber sicher auch daran, dass Henri einmal wieder nicht genug getrunken hat. Der letzte Vorfall dieser Art ist fast genau ein Jahr her - wer es nicht mehr in Erinnerung hat, kann es hier nachlesen. 

Wieder war es ein heißer Tag, genau wie auch schon vor zwei Jahren, wo er - ebenfalls an einem heißen Julitag- im Kindersitz zusammengesackt war und für wenige Augenblicke bewusstlos war. Meine allerbesten Vorsätze, was Henris Flüssigkeitszufuhr angeht, könnt ihr euch denken. 

Den ganzen Tag über war der Goldschatz unglaublich lieb und zärtlich mit mir - diese Nähe hat uns beiden gut getan. Er fragte mich, wo ich schlafe und als ich ihm sagte, dass ich natürlich (wie immer) in der Klinik bleibe, nahm er meine Hand und sagte "Vielen Dank". 😢

Dass ich mich hier ganz Henri widmen kann, ist nur möglich durch den großen Einsatz meiner Eltern, die - wie auch in den ersten schweren Jahren nach Henris Geburt - immer da sind, wenn ihre Hilfe gebraucht wird. Dafür danke ich euch beiden, Mama und Vater,- heute gerne auch einmal auf diesem Wege - ganz herzlich! 

Das große Foto und auch das beim EEG sind auf Henris Wunsch entstanden - genauso wollte er sie haben ;-)

Opa bringt von zu Hause Eis mit - gleich drei Kugeln, "damit sie nicht so schnell schmelzen" :-)

Was das Trinken angeht, haben wir beide - Henri und ich - durch die jüngsten Ereignisse wieder einen Motivationsschub bekommen.

Während der Fernseher läuft, darf Henri wieder seinen geliebten Michel sehen - eine Folge, wie immer im Krankenhaus :-)

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Kommentare: 3
  • #1

    Katja Ecker (Freitag, 10 Juli 2015 10:03)

    Hallo,
    schön das es Henri wieder besser geht :)
    Liebe Grüße Katja und ganz besonders Johannes (wir haben uns vor fast 1 Jahr in der Kinderkardiologie Homburg kennengelernt)

  • #2

    henri-mittendrin (Samstag, 11 Juli 2015 00:49)

    Liebe Katja,

    ich kann mich noch gut an euch beide erinnern und wie wir auf K3 zusammen am Tisch auf dem Flur gesessen und uns über die Entwicklung unserer Jungs ausgetauscht haben. Es muss der Aufenthalt gewesen sein, als Henri in der Schule kollabiert ist - auch damals war es heiß und er hatte wohl nicht genug getrunken. Jetzt hat Henri einen Trinkplan, in den er jeden Tag selbst einträgt, was und wie viel er trinkt - er macht das mit viel Disziplin und Sorgfalt :-) Wie geht es Johannes? Einen lieben Gruß!

  • #3

    Katja Ecker (Mittwoch, 15 Juli 2015 20:35)

    Genau :) Und Henri hat zu mit gesagt das er "Gemüse essen kann" :)
    Johannes geht seit einem halben Jahr in den Kindergarten und ist total begeistert ( Ich hatte irgendwie mehr Angst als er ).
    Wünsche euch weiterhin alles Liebe und Gute und freue mich immer wieder auf die tollen und interessanten Berichte auf "Henri´s Blog".
    Glg Katja und Johannes :)

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