13. Down-Sportlerfestival im Frankfurt

Am 25. April 2015 fand in Frankfurt das 13. Down-Sportlerfestival statt - die Veranstaltung ist also gerade mal ein paar Monate älter als Henri. Wir hatten in den vergangenen Jahren schon so viel davon gehört, aber irgendwie gab es immer einen Grund, warum wir nicht teilnehmen konnten. Dieses Jahr nun war es soweit: Nachdem Schritt 1 - die offizielle Anmeldung - getan war, gab es kein Zurück mehr und zu fünft machten wir uns erwartungsfroh auf den Weg. In Frankfurt ist dann auch noch Marie zu uns gestoßen - Obwohl sie das Studentenleben in Tübingen in vollen Zügen genießt, wollte sie sich diesen Tag nicht entgehen lassen ... und ich bin sicher, sie hat es nicht bereut :-)

Die ersten Minuten beim Schlangestehen für das Starterpaket waren eine gute Einstimmung ... man stelle sich vor, man blickt um sich und sieht soo viele Downies um sich herum wie nie zuvor: kleine und große, Klein- und Schulkinder, Jugendliche, Erwachsene ... auf den ersten Blick ähnlich und doch jeder einzigartig. Auch das Zahlenverhältnis zwischen Downies und den sog. "Normalen" zu erleben war für mich eine ganz besondere Erfahrung. Als die Mädchen und Jungen, Frauen und Männer, begleitet von vielen freiwilligen Unterstützern der Firma Hexal unter großem Jubel ins Stadion einzogen, hätte man schwerlich von "Normalen" und "Nichtnormalen" sprechen können ... an diesem Tag war nichts "normaler" als die Menschen mit Down-Syndrom und die Freude, die sie sich gegenseitig, aber auch den Helfern und Angehörigen geschenkt haben, war so ansteckend, dass sich wohl kaum einer entziehen konnte.  

Erstaunt war ich, wie selbstverständlich Henri mich weggeschickt hat, als ich ihn zu dem Treffpunkt für den Einzug gebracht habe. Immerhin kannte er kaum einen der 600 Teilnehmer und 300 Begleiter. Aber sein Vertrauen war wohl groß genug und so zog er ganz ohne unsere Begleitung als "Grüner" ;-) von Station zu Station. Einfach toll, wie gut das Festival organisiert war, wie die Betreuer "ihre" Kinder kannten und nicht nur ihnen, sondern auch den Eltern das Gefühl gaben, dass sie gut aufgehoben sind.

Henris  Behinderung war für uns nie eine Belastung in dem Sinne wie es sein Herzfehler ist. Und dennoch fiel mir am Samstag auf, dass unser Alltag zu Hause doch ein gutes Stück einfacher wäre, wenn DS die gleiche Normalität wie bei diesem Festival hätte. Damit ich nicht missverstanden werde: Sehen wir von den Schwierigkeiten bei der Einschulung ab, haben wir hinsichtlich der Behinderung unseres Sohnes bisher so gut wie keine negativen Erfahrungen machen müssen. Wir werden nicht schief angeschaut und fast immer wenden sich die Menschen Henri mit ehrlichem Interesse und Wohlwollen zu. Trotzdem sehe ich mich oft unter Erklärungs-, manchmal auch Rechtfertigungsdruck. Bringe ich Henri zum Beispiel zu einem Kindergeburtstag, sind schon ein paar mehr Worte nötig als bei seinen Geschwistern. Nicht nur, weil er sich selbst leider immer noch nicht so differenziert ausdrücken kann, wie er möchte, sondern auch, weil er oft andere Bedürfnisse als seine Altersgenossen hat. Ich gebe auch regelmäßig Tipps, wie die Eltern des Geburtstagskindes reagieren sollten, wenn plötzlich ohne ersichtlichen Grund das Böckchen auftaucht und scheinbar gar nichts mehr  möglich ist... Einmal rief mich eine Mutter aus dem Zoo an ... es hatte angefangen zu regnen und natürlich haben sich alle Kinder die bereitgelegten Regenjacken überziehen lassen ... alle außer Henri ... der saß im Bollerwagen und sagte und schrie  nur "Nein!!!". Die Eltern des Geburtstagskindes fürchteten, ihm Gewalt anzutun, wenn sie ihm zu zweit kurzerhand die Jacke anziehen. Dank telefonischer Krisenintervention (;-) ließ sich die Situation entschärfen - als ich Henri abholte, hatte er die Jacke an. 

Dagegen hatte ich am Samstag an keiner Station das Bedürfnis, den Helfern ein wenig Anleitung zu geben oder sie unterstützen .... diesen Impuls hatte ich nur ganz am Anfang, bis mir aufgefallen ist, wie selbstverständlich und angemessen sie mit den Kindern umgehen. Nach ein paar Stunden fiel mir auf, dass mich der klare - nicht inklusive - Rahmen des Festivals für mich auch entlastet hat. Vielleicht fühlt es sich so oder ähnlich für Eltern an, die entschieden haben, dass ihr Kind keine Regel- sondern eine besondere Schule besucht.  

Erwähnenswert ist auch die Geschwisterolympiade - initiiert von - FamilienBande - bei der Geschwisterteams verschiedene Stationen besuchen und zusammen Punkte holen ...  am Ende bekomme beide eine Urkunde. Für Amelie war diese Olympiade eine Wohltat ... die Plakate, die in dieser Halle hingen, griffen genau die Gefühlssituation von Geschwisterkindern auf, die für Eltern kranker und behinderter Kinder mit Geschwistern Alltag ist: Immer nur ... ICH bin auch noch da... Amelie hat nur eines näher betrachtet und sagte genau einen Satz dazu: Genauso ist es. (Punkt). Schön, dass bei diesem Festival auch an die Geschwisterkinder ihren Platz hatten - und zwar nicht nur als Zuschauer.

Der Abschluss mit Goldmedaillen für alle (!) war dann wieder ein ähnlich emotionales Erlebnis wie schon der Einzug ... "Ein Hoch auf uns!" durfte genauso wenig fehlen wie "We are the Champions" und noch ein paar andere musikalische gute-Laune-Garanten.

 

Hier das Video mit vielen schönen Momenten😊

 

Frankfurt - wir kommen wieder!

Ankunft, Einzug der Sportlerinnen und Sportler und feierliche Eröffnung. Niemals habe ich das Deutschlandlied lebendiger und leichter als in der Version von Joachim Hermann Luger (Hans Beimer :-) und Carina Kühne (am Klavier) gehört.

Angefeuert von den Zuschauern gaben die Kinder alles - es war so schön, die vielen strahlenden Augen zu sehen!

Henri beim Trommel-Workshop

Dass Henri noch keine Tenniserfahrung hat, lässt sich sicher auch an seinem Umgang mit der Händigkeit erkennen ;-)

Geschwister-Olympiade. Hier haben sich unsere Kinder ein großes Lob eingeheimst: Keines der Teams hat gleich zweimal mit nur einem Wurf alle Dosen abgeräumt :-) 

Und hier wollten wir eigentlich zum Angebot "Therapeutisches Reiten" ... Aber nachdem wir uns bei den Fahrrädern und Tandems so lange aufgehalten hatten, kamen wir zu spät. Dass Henri die Fassung bewahrt und sogar für Fotos posiert hat, hat mich mich Erstaunen und Freude erfüllt ... oh, das hätte ganz anders enden können ... 

Danke für einen tollen Tag!

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